Was ist Hyperhidrose?
Schwitzen ist ein lebenswichtiger Vorgang. Über die Verdunstung von Schweiß auf der Hautoberfläche kühlt der Körper sich ab, etwa bei Hitze, Fieber oder körperlicher Anstrengung. Gesteuert werden die Schweißdrüsen über einen Teil des unwillkürlichen Nervensystems, auf den auch Aufregung und Stress Einfluss nehmen. Von einer Hyperhidrose spricht man, wenn deutlich mehr Schweiß gebildet wird, als zur Regulation der Körpertemperatur notwendig wäre, und wenn dies die Betroffenen im Alltag beeinträchtigt.
Medizinisch werden zwei Formen unterschieden, deren Abgrenzung für die Schweißbehandlung entscheidend ist.
Primäre fokale Hyperhidrose
Bei der primären Hyperhidrose liegt keine andere Erkrankung zugrunde. Das vermehrte Schwitzen beginnt häufig bereits in Kindheit, Jugend oder jungem Erwachsenenalter, tritt meist beidseitig und an umschriebenen Stellen auf, typischerweise in den Achseln, an den Handflächen, an den Fußsohlen oder im Gesicht und am Kopf. Oft sind weitere Familienmitglieder betroffen. Das Schwitzen kann durch Wärme oder Anspannung verstärkt werden, tritt aber auch ohne erkennbaren Auslöser auf. Im Schlaf ist es in der Regel nicht vorhanden.
Sekundäre Hyperhidrose
Übermäßiges Schwitzen kann auch ein Symptom anderer Erkrankungen oder Zustände sein, beispielsweise einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), einer Unterzuckerung bei Diabetes oder der Wechseljahre. Auch Infektionen und bestimmte Medikamente kommen als Ursache infrage. Hinweise auf eine sekundäre Hyperhidrose sind ein Schwitzen am ganzen Körper, nächtliches Schwitzen, ein Beginn erst im späteren Erwachsenenalter oder Begleitbeschwerden wie ungewollter Gewichtsverlust, Herzrasen oder Fieber. In diesen Fällen steht vor jeder Schweißbehandlung die Abklärung der Ursache an erster Stelle.
Wann braucht übermäßiges Schwitzen eine Schweißbehandlung?
Ob Schwitzen als krankhaft gilt, lässt sich nicht an einer bestimmten Menge festmachen. Entscheidend ist, wie stark es Sie beeinträchtigt. Viele Betroffene berichten von sichtbaren Schweißflecken, die mehrmaliges Wechseln der Kleidung am Tag erforderlich machen, von feuchten Händen beim Händeschütteln, beim Schreiben oder an der Tastatur und von dem Gefühl, ständig auf das Schwitzen achten zu müssen. Das kann berufliche und soziale Situationen erheblich belasten.
Hinzu kommen mögliche Folgen für die Haut. Die dauerhaft feuchte Haut weicht auf und wird anfälliger für Reizungen, Ekzeme sowie Infektionen mit Pilzen und Bakterien, besonders an den Füßen. Auch unangenehmer Geruch entsteht häufig erst durch die bakterielle Zersetzung des Schweißes. Wenn Sie sich durch das Schwitzen eingeschränkt fühlen, ist eine ärztliche Beratung zur Schweißbehandlung sinnvoll.
Häufig betroffene Körperstellen
- Achseln: Die häufigste Form. Schweißflecken auf der Kleidung sind für viele Betroffene besonders belastend.
- Handflächen: Feuchte Hände erschweren das Händeschütteln, das Schreiben auf Papier und die Arbeit mit Werkzeugen oder Tastaturen.
- Fußsohlen: Das Schwitzen begünstigt aufgeweichte Haut, Geruch, Fußpilz und schneller abgenutzte Schuhe.
- Gesicht und Kopf: Schweißperlen auf Stirn und Kopfhaut fallen im Gespräch auf und werden oft als besonders unangenehm empfunden.
Untersuchung und Diagnose vor der Schweißbehandlung
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch. Dr. Obuch fragt, seit wann das Schwitzen besteht, welche Körperstellen betroffen sind, ob es auch nachts auftritt, welche Auslöser Ihnen auffallen, welche Medikamente Sie einnehmen und welche Behandlungen Sie bereits versucht haben. Anschließend werden die betroffenen Hautareale untersucht, auch im Hinblick auf Begleiterscheinungen wie Ekzeme oder Pilzinfektionen.
Ergeben sich Hinweise auf eine sekundäre Hyperhidrose, werden weitere Untersuchungen empfohlen, etwa Blutuntersuchungen oder die Mitbehandlung durch eine internistische oder gynäkologische Praxis. Ein in der Dermatologie gebräuchliches Hilfsmittel, um die Ausdehnung des Schwitzens sichtbar zu machen, ist der Jod-Stärke-Test: Nach dem Auftragen einer Jodlösung und dem Bestäuben mit Stärke verfärben sich die schwitzenden Areale dunkel. So lässt sich die Fläche abgrenzen, auf die sich die Schweißbehandlung bezieht.
So bereiten Sie den ersten Termin vor
Hilfreich ist es, wenn Sie vor dem Termin für einige Tage notieren, wann, wo und in welchen Situationen Sie besonders stark schwitzen. Bringen Sie eine Liste Ihrer Medikamente und vorhandene Laborbefunde mit und notieren Sie, welche Produkte und Behandlungen Sie bereits ausprobiert haben und mit welchem Ergebnis. Diese Angaben erleichtern die Einordnung und die Auswahl der passenden Schweißbehandlung.
Möglichkeiten der Schweißbehandlung
Die Schweißbehandlung bei primärer Hyperhidrose erfolgt in der Regel stufenweise. Welche Maßnahme sinnvoll ist, hängt von der betroffenen Körperstelle, der Ausprägung, den bisherigen Erfahrungen und Ihren persönlichen Wünschen ab.
Äußerlich angewendete Präparate
Am Anfang stehen häufig Antitranspirantien mit Aluminiumsalzen in höherer Konzentration, als sie in üblichen Deodorants enthalten sind. Sie verengen vorübergehend die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen. Sie werden in der Regel abends auf die trockene Haut aufgetragen, wenn die Schweißproduktion gering ist. Mögliche Nebenwirkungen sind Brennen, Juckreiz und Hautreizungen. Bei leichterer Ausprägung kann diese Maßnahme ausreichen, bei stärkerem Schwitzen ist die Wirkung oft begrenzt.
Radiofrequenz-Thermotherapie mit Microneedling (RF-TT)
In der Praxis wird als Schweißbehandlung die Radiofrequenz-Thermotherapie, kurz RF-TT, in Kombination mit Microneedling angeboten. Dabei werden feinste Nadeln bis in die Tiefe der Schweißdrüsen in die Haut eingebracht. Über die Nadeln wird Radiofrequenzenergie abgegeben, die das umliegende Gewebe erwärmt. Die Wärme führt dazu, dass Schweißdrüsen im behandelten Areal geschädigt und abgebaut werden. Am häufigsten wird dieses Verfahren im Achselbereich eingesetzt.
Da Schweißdrüsen dabei nicht nur vorübergehend gehemmt, sondern teilweise abgebaut werden, ist die Wirkung auf längere Sicht angelegt. Wie deutlich und wie anhaltend sich das Schwitzen verringert, ist jedoch individuell verschieden, und häufig sind mehrere Sitzungen notwendig. Ausführliche Informationen zu dieser Schweißbehandlung finden Sie auf den Seiten Radiofrequenz-Microneedling und Microneedling.
Weitere ärztliche Verfahren
Darüber hinaus gibt es weitere ärztliche Verfahren, die je nach Befund in Betracht kommen. Ob eines davon für Sie geeignet ist, welche Wirkdauer zu erwarten ist und welche Nebenwirkungen möglich sind, bespricht Dr. Obuch nach der Untersuchung persönlich mit Ihnen.
Ablauf der Schweißbehandlung mit RF-TT
- Beratung und Aufklärung: Nach der Untersuchung werden Nutzen, Grenzen, mögliche Nebenwirkungen und Alternativen besprochen. Sie erhalten Gelegenheit, alle Fragen zu stellen.
- Vorbereitung: Das Behandlungsareal wird gereinigt und desinfiziert. Eine örtlich betäubende Creme wird aufgetragen und wirkt eine Zeit lang ein, damit die Behandlung gut erträglich ist.
- Behandlung: Mit dem Handstück wird das zuvor festgelegte Areal Stück für Stück behandelt. Dabei kann ein Wärme- oder Stechgefühl auftreten.
- Abschluss: Die Haut wird gekühlt und versorgt. Sie erhalten Hinweise zur Pflege in den folgenden Tagen.
Ob Sie die Achselbehaarung vor dem Termin entfernen sollen, erfahren Sie im Aufklärungsgespräch. Teilen Sie außerdem mit, ob Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen, ob eine Schwangerschaft besteht oder ob Sie einen Herzschrittmacher oder andere elektronische Implantate tragen, da diese Angaben für die Planung der Schweißbehandlung mit Radiofrequenz wichtig sind.
Nachsorge nach der Schweißbehandlung
Nach der Schweißbehandlung sind Rötungen, Schwellungen und ein Spannungsgefühl üblich. Sie klingen in der Regel innerhalb weniger Tage ab. In den ersten Tagen sollten Sie auf Deodorant, Sauna, Schwimmbad und schweißtreibenden Sport verzichten und die behandelte Haut nicht reiben, damit sie sich beruhigen kann. Die genauen Empfehlungen erhalten Sie nach der Behandlung. In einem Kontrolltermin wird beurteilt, wie die Haut reagiert hat und ob eine weitere Sitzung sinnvoll ist.
Mögliche Nebenwirkungen und Risiken der Schweißbehandlung
Neben den üblichen Rötungen und Schwellungen können kleine Krusten an den Einstichstellen, Blutergüsse und vorübergehende Missempfindungen oder ein Taubheitsgefühl auftreten. Selten kommt es zu Infektionen, Pigmentveränderungen oder Narben. Wie stark sich das Schwitzen im behandelten Bereich verringert, lässt sich im Voraus nicht sicher vorhersagen. Über die Risiken werden Sie vor der Schweißbehandlung ausführlich aufgeklärt.
Alternativen und eigene Maßnahmen
In der Dermatologie sind weitere Verfahren bekannt, etwa die Leitungswasser-Iontophorese, bei der Hände oder Füße in einem Wasserbad einem schwachen Gleichstrom ausgesetzt werden und die häufig mit einem Heimgerät durchgeführt wird, sowie operative Eingriffe an den Schweißdrüsen der Achseln. Ob solche Verfahren für Sie sinnvoll sein können, kann im Gespräch erörtert werden.
Unterstützend helfen atmungsaktive Kleidung aus Baumwolle oder Funktionsmaterialien, regelmäßig gewechselte Socken und Schuhe, Einlagen für Achseln und eine sorgfältige Hautpflege. Wenn Anspannung das Schwitzen verstärkt, können Entspannungsverfahren hilfreich sein. Diese Maßnahmen ersetzen keine Behandlung, können den Alltag aber erleichtern.
Grenzen der Schweißbehandlung
Keine Methode passt für alle Betroffenen. Das Ansprechen auf eine Schweißbehandlung ist individuell verschieden, und auch nachdem sich das Schwitzen verringert hat, kann später eine erneute Behandlung erforderlich werden. Liegt eine sekundäre Hyperhidrose vor, richtet sich die Behandlung in erster Linie nach der Grunderkrankung. Eine sorgfältige Diagnostik vor Beginn der Therapie ist deshalb unverzichtbar.
Kosten der Schweißbehandlung
Die Schweißbehandlung ist eine Privatleistung und wird nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet. Die Kosten richten sich nach Verfahren, Größe des Behandlungsareals und Anzahl der Sitzungen und werden nach der Beratung individuell besprochen. Ob Ihre private Krankenversicherung die Kosten übernimmt, hängt vom Tarif ab. Es empfiehlt sich, vor Behandlungsbeginn eine Kostenzusage einzuholen. Gesetzlich Versicherte können die Praxis als Selbstzahler aufsuchen.
Schweißbehandlung bei Hyperhidrose in Hamburg
Die Privatpraxis von Dr. med. Beata Obuch, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Dermatochirurgie und Lasertherapie, liegt am Großen Burstah 44 in der Hamburger Innenstadt. Mit der U3 erreichen Sie die Haltestellen Rathaus und Rödingsmarkt, beide nur wenige Gehminuten entfernt. Wer eine Schweißbehandlung in Hamburg sucht, kann sich hier zunächst ausführlich beraten lassen, ohne sich sofort für ein Verfahren entscheiden zu müssen. Termine vereinbaren Sie online über Doctolib oder telefonisch unter 040 307 469 92. Weitere Themen der Praxis finden Sie in der Übersicht Dermatologie.
Weiterführende Informationen: Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG)