Das Prinzip beim Microneedling: kontrollierte Mikroverletzungen
Microneedling wird in der Fachsprache auch als Kollageninduktionstherapie bezeichnet. Der Name beschreibt das Ziel: Die Haut soll angeregt werden, selbst neues Kollagen zu bilden. Dazu werden mit sehr feinen Nadeln zahlreiche winzige Stichkanäle in der Haut gesetzt. Für das Gewebe ist jeder dieser Kanäle eine kleine, kontrollierte Verletzung, auf die es mit dem gleichen Programm reagiert, mit dem es jede Wunde heilt.
Diese Wundheilung verläuft in drei sich überlappenden Phasen. In der Entzündungsphase werden aus Blutplättchen und Gewebezellen Wachstumsfaktoren und Botenstoffe freigesetzt. In der anschließenden Proliferationsphase wandern Fibroblasten ein, also die Bindegewebszellen der Lederhaut, und bilden neue Kollagenfasern und Grundsubstanz. In der Umbauphase, die sich über Monate erstreckt, wird dieses zunächst lockere Kollagen schrittweise in festeres, geordneteres Kollagen umgewandelt. Weil die Stichkanäle sehr klein sind und sich die Oberfläche rasch wieder schließt, bleibt die Haut zwischen den Kanälen intakt. Das unterscheidet Microneedling von Verfahren, bei denen die Oberhaut flächig abgetragen wird.
Microneedling mit Wärmeimpulsen
Das klassische Microneedling arbeitet rein mechanisch. Bei dem in der Praxis eingesetzten Verfahren werden feinste Nadeln in die Haut eingeführt, die in der Tiefe zusätzlich innerhalb von Millisekunden kurze Wärmeimpulse abgeben. Die Wärme entsteht dort, wo die Nadelspitzen liegen, also in der Lederhaut, und erzeugt um jede Nadel eine kleine Zone, in der das Gewebe kurz erhitzt wird. Dieser zusätzliche Reiz verstärkt die Kollagenbildung und führt zu einer Kontraktion vorhandener Fasern, während die Oberfläche vergleichsweise geschont wird. Wie diese Wärme mit Hilfe von Radiofrequenz erzeugt wird und wann sie vor allem zur Straffung eingesetzt wird, erläutert die Seite zum Radiofrequenz-Microneedling ausführlich. Auf dieser Seite liegt der Schwerpunkt auf Narben, Dehnungsstreifen und dem Hautbild.
Indikationen: Wann Microneedling in Frage kommt
Narben
Narben sind einer der häufigsten Gründe für ein Microneedling. Dazu zählen Aknenarben, Narben nach Windpocken, Narben nach Verbrennungen und Operationsnarben. Bei Aknenarben unterscheidet man schmale, tiefe Einziehungen, breitere Mulden mit steilen Rändern und weiche, wellenförmige Vertiefungen. Die beiden letztgenannten Formen sprechen auf Microneedling häufig besser an als sehr schmale, tiefe Narben, bei denen andere Verfahren ergänzend nötig sein können. Operationsnarben werden in der Regel erst behandelt, wenn die Wundheilung vollständig abgeschlossen ist. Ziel ist eine Abflachung und ein weicherer Übergang zur umgebenden Haut. Ein vollständiges Verschwinden einer Narbe ist nicht zu erwarten.
Dehnungsstreifen
Dehnungs- und Schwangerschaftsstreifen (Striae distensae) entstehen, wenn das Bindegewebe der Lederhaut durch schnelles Wachstum, Gewichtszunahme, Schwangerschaft oder hormonelle Einflüsse überdehnt wird und einreißt. Frische Streifen sind meist rötlich bis violett, ältere werden weißlich und leicht eingesunken. Microneedling kann darauf abzielen, die Struktur der Streifen an die umgebende Haut anzugleichen. Die Ansprechbarkeit ist individuell unterschiedlich, ältere, weiße Streifen verändern sich häufig weniger deutlich als jüngere.
Hautbild, Poren und Hautfestigkeit
Weitere Anwendungsgebiete sind vergrößerte Poren, eine unruhige Hautstruktur und feine Fältchen an Gesicht, Hals und Dekolleté. Auch bei nachlassender Festigkeit der Haut im unteren Gesichtsdrittel, etwa an den Hängebäckchen oder in der Kinn- und Halsregion, kann Microneedling eingesetzt werden. Dabei ist wichtig zu wissen: Das Verfahren wirkt auf die Haut, nicht auf das Fettgewebe. Steht ein ausgeprägtes Doppelkinn durch Fettgewebe im Vordergrund, sind andere Überlegungen erforderlich.
Übermäßiges Schwitzen
Bei übermäßigem Schwitzen der Achseln (axilläre Hyperhidrose) wird in der Praxis eine Radiofrequenz-Thermotherapie in Kombination mit Microneedling angeboten, die auf die Schweißdrüsen in der Tiefe zielt. Näheres dazu finden Sie unter Schweißbehandlung.
Für wen Microneedling nicht geeignet ist
Von einer Behandlung wird abgeraten oder sie erfolgt nur nach sorgfältiger Abwägung bei:
- Schwangerschaft und Stillzeit
- akuten Hautinfektionen, aktivem Lippenherpes, offenen Wunden oder stark entzündeter Akne im Behandlungsareal
- einer Neigung zu wulstigen Narben (Keloiden)
- Gerinnungsstörungen oder der Einnahme gerinnungshemmender Medikamente, die Sie bitte nie eigenmächtig absetzen
- der Einnahme von Vitamin-A-Säure-Präparaten zum Einnehmen innerhalb der letzten Monate
- Herzschrittmachern, implantierten Defibrillatoren oder Metallimplantaten im Areal, da bei dem in der Praxis eingesetzten Verfahren Wärme über die Nadeln abgegeben wird
- Erkrankungen, die die Wundheilung beeinträchtigen, oder entzündlichen Hauterkrankungen im Schub
Beratung und Untersuchung vor dem Microneedling
Vor der ersten Behandlung nimmt sich Dr. med. Beata Obuch, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Dermatochirurgie und Lasertherapie, Zeit für ein ausführliches Gespräch. Sie fragt nach Vorerkrankungen, Medikamenten, früheren Behandlungen und Ihren Zielen. Bei der Untersuchung werden Hauttyp, Art und Tiefe von Narben, Alter von Dehnungsstreifen sowie Entzündungszeichen beurteilt. Besteht noch eine aktive Akne, wird zunächst diese behandelt, denn eine Narbenbehandlung ist erst sinnvoll, wenn keine neuen Entzündungen mehr nachkommen. Informationen dazu finden Sie unter Aknebehandlung.
Aus dem Befund ergibt sich ein Vorschlag zur Zahl der Sitzungen, zu den Abständen und zu möglichen Kombinationen. Ebenso offen werden die Grenzen des Verfahrens angesprochen.
Vorbereitung auf die Behandlung
Einige einfache Maßnahmen tragen dazu bei, dass die Haut gut auf die Behandlung vorbereitet ist. In den Tagen davor sollten Sie einen Sonnenbrand vermeiden und reizende Wirkstoffe wie Fruchtsäuren, Retinol oder mechanische Peelings im Behandlungsareal pausieren. Teilen Sie bitte mit, welche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel Sie einnehmen, da manche die Blutungsneigung erhöhen. Wenn Sie zu Lippenherpes neigen und im Gesicht behandelt werden, ist dies vorab wichtig, damit vorbeugende Maßnahmen besprochen werden können. Bitte kommen Sie am Behandlungstag ohne Make-up. Planen Sie für die ersten ein bis zwei Tage nach der Behandlung möglichst keine wichtigen Termine, bei denen Sie eine gerötete Haut stören würde.
Ablauf einer Sitzung mit Microneedling
- Die Haut wird gereinigt und von Make-up befreit.
- Eine lokale Betäubungscreme wird aufgetragen und wirkt einige Zeit ein.
- Die Haut wird desinfiziert.
- Das Handstück wird Abschnitt für Abschnitt aufgesetzt. Nadeltiefe und Intensität richten sich nach Region und Befund. Narben werden gezielt und mitunter in mehreren Durchgängen behandelt.
- Zum Schluss wird die Haut gekühlt und mit einer beruhigenden Pflege versorgt.
Die reine Behandlungszeit liegt je nach Areal meist zwischen einer halben und einer Stunde, hinzu kommt die Einwirkzeit der Betäubungscreme.
Was Sie dabei spüren
Durch die Betäubungscreme ist die Behandlung in der Regel gut zu ertragen. Spürbar sind ein leichtes Pieksen, ein Druckgefühl und bei den Wärmeimpulsen eine kurze, tiefe Wärme. An knochennahen Stellen und bei tieferen Einstellungen ist das Empfinden meist stärker. Pausen sind jederzeit möglich.
Ausfallzeit und Hautreaktion
Nach der Behandlung ist die Haut gerötet, warm und leicht geschwollen. Feine Punkte, ein zartes Muster der Nadelspitzen oder kleine Krusten können sichtbar sein. Meist klingen Rötung und Schwellung innerhalb von ein bis zwei Tagen deutlich ab. Am Körper, etwa bei der Behandlung von Dehnungsstreifen, ist die Reaktion häufig etwas länger sichtbar, dafür aber gut von Kleidung bedeckt. Kleine Blutergüsse sind möglich.
Nachsorge und Sonnenschutz
In den ersten Tagen sollte die Haut behutsam gereinigt und mit der empfohlenen, reizarmen Pflege versorgt werden. Verzichten Sie auf Sauna, Schwimmbad und intensiven Sport, bis die Rötung abgeklungen ist, und pausieren Sie für einige Tage Fruchtsäuren, Retinol und Peelings. Kratzen Sie Krusten nicht ab. Wann Make-up wieder möglich ist, erfahren Sie nach der Behandlung. Ein konsequenter Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor über mehrere Wochen ist wichtig, weil frisch behandelte Haut leichter mit Pigmentflecken reagiert.
Wie viele Sitzungen sinnvoll sind
Die Kollagenneubildung braucht Zeit, und ihre Wirkung baut sich über mehrere Behandlungen auf. Für eine allgemeine Verbesserung des Hautbildes werden häufig zwei bis drei Sitzungen im Abstand von einigen Wochen geplant. Bei Narben und Dehnungsstreifen sind in der Regel mehr Sitzungen erforderlich. Da der Umbau des Gewebes über Monate fortschreitet, lässt sich das Ergebnis einer Behandlungsserie meist erst einige Zeit nach der letzten Sitzung beurteilen. Wie deutlich die Veränderung ausfällt, ist individuell unterschiedlich.
Mögliche Nebenwirkungen von Microneedling
Erwartbar sind Rötung, Schwellung, punktförmige Einblutungen und ein Spannungsgefühl. Seltener können auftreten:
- Blutergüsse und länger sichtbare Nadelspuren
- Infektionen oder ein Wiederaufflammen von Lippenherpes
- vorübergehende Pigmentverschiebungen, vor allem bei dunklerer Haut oder unzureichendem Sonnenschutz
- Hautgrieß (Milien) oder kleine Unreinheiten
- sehr selten neue Narben
Über diese Risiken werden Sie vor der Behandlung aufgeklärt. Bei ungewöhnlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an die Praxis.
Alternativen und Kombinationen
Bei tiefen Aknenarben, ausgeprägten Lichtschäden oder deutlichen Unregelmäßigkeiten der Oberfläche kann eine fraktionierte Behandlung mit dem Frax CO2-Laser in Betracht kommen, die mit einer längeren Ausfallzeit verbunden ist. Rötliche Flecken nach abgeheilter Akne sind häufig keine Narben, sondern erweiterte kleine Gefäße. Hier kann die Diodenlaser-Therapie die passendere Option sein. Steht die Straffung größerer Areale im Vordergrund, ist Thermage® FLX eine Alternative ohne Nadeln.
Zur Unterstützung der Hautqualität bietet die Praxis außerdem die PRP-Behandlung, Polynukleotide und die Mesotherapie an. Ob und in welcher Reihenfolge Verfahren kombiniert werden, wird individuell festgelegt.
Kosten
Microneedling ist eine Privatleistung und wird nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet. Die Kosten richten sich nach Größe des Areals, Indikation und Zahl der Sitzungen. Einen individuellen Kostenvoranschlag erhalten Sie nach der Beratung. Ästhetisch motivierte Behandlungen werden von privaten Krankenversicherungen in der Regel nicht erstattet.
Microneedling am Großen Burstah
Die Privatpraxis Derma & Ästhetik liegt am Großen Burstah 44 in der Hamburger Innenstadt, wenige Gehminuten vom Rathaus entfernt. Mit der U3 erreichen Sie die Haltestellen Rathaus oder Rödingsmarkt, von der S-Bahn-Station Stadthausbrücke ist es ebenfalls nicht weit. Einen Beratungstermin zum Microneedling in Hamburg können Sie über Doctolib buchen oder telefonisch unter 040 307 469 92 vereinbaren.
Weiterführende Informationen: Deutsche Dermatologische Lasergesellschaft (DDL), Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG)