Was sind Polynukleotide?
Polynukleotide, häufig mit PN abgekürzt, sind lange Ketten von Nukleotiden. Nukleotide sind die Grundbausteine der Erbsubstanz DNA. Die in der ästhetischen Dermatologie verwendeten Präparate werden in der Regel aus Fischen gewonnen, etwa aus Lachs oder Forelle, und in einem aufwendigen Verfahren hochgereinigt. Dabei werden Eiweiße und andere Bestandteile weitgehend entfernt, sodass ein gut verträgliches Gel entsteht. Die in Europa verwendeten Präparate sind in der Regel als Medizinprodukte zertifiziert.
Polynukleotide sind kein neuer Stoff in der Medizin. In anderen Bereichen, etwa bei der Wundheilung und in der Behandlung von Gelenken, werden sie seit Jahren eingesetzt. In der ästhetischen Dermatologie hat ihr Einsatz in den letzten Jahren deutlich zugenommen.
Wie Polynukleotide in der Haut wirken sollen
Nach der Injektion verteilen sich die Polynukleotide im Bindegewebe der Haut. Ihnen werden mehrere Wirkungen zugeschrieben: Sie binden Wasser und verbessern so die Feuchtigkeit der Haut. Sie sollen die Fibroblasten, also die Zellen, die Kollagen und elastische Fasern bilden, in ihrer Aktivität unterstützen. Außerdem werden ihnen entzündungsdämpfende Eigenschaften zugeschrieben. Zusammengenommen sollen diese Effekte die Regeneration der Haut fördern und ihre Struktur festigen.
Die Studienlage zu Polynukleotiden in der Ästhetik wächst, ist aber noch nicht so umfangreich wie bei länger etablierten Verfahren. Wie deutlich eine Veränderung ausfällt, ist individuell unterschiedlich und hängt unter anderem vom Ausgangsbefund, vom Alter und vom Lebensstil ab.
Einordnung im Vergleich zu anderen Verfahren
Im Bereich der injizierbaren Hautbehandlungen gibt es mehrere Verfahren mit ähnlichen Zielen, die sich in ihrem Wirkprinzip unterscheiden. Vernetzte Hyaluronsäure in Form eines Fillers ersetzt Volumen. Unvernetzte oder nur leicht vernetzte Hyaluronsäure, wie sie bei Skinboostern und in der Mesotherapie eingesetzt wird, bindet vor allem Feuchtigkeit in der Haut. Bei der PRP-Behandlung werden Wachstumsfaktoren aus dem eigenen Blut genutzt. Polynukleotide setzen an einer anderen Stelle an: Sie sollen die Zellen des Bindegewebes in ihrer Funktion unterstützen und so die Regeneration fördern.
Diese Unterschiede sind für die Planung wichtig. Je nachdem, ob bei Ihnen Trockenheit, eine dünne und empfindliche Haut, eine unruhige Struktur oder ein Volumenverlust im Vordergrund steht, kann das eine oder andere Verfahren besser passen. Oft ergänzen sich die Methoden auch.
Was Polynukleotide leisten können und was nicht
Ziel einer Behandlung mit Polynukleotiden ist eine Verbesserung der Hautqualität. Sie kann eingesetzt werden, wenn die Haut müde, dünn, trocken oder durch Sonne und Umwelteinflüsse geschädigt wirkt, wenn feine Linien entstanden sind oder die Hautstruktur unruhig ist. Erste Veränderungen werden häufig etwa zwei Wochen nach einer Sitzung wahrgenommen und bauen sich im Verlauf einer Behandlungsserie auf.
Polynukleotide sind dagegen nicht dazu gedacht, Volumen aufzubauen, Konturen zu verändern oder erschlafftes Gewebe anzuheben. Tiefe Falten und ausgeprägte Erschlaffung werden mit dieser Behandlung allein kaum beeinflusst. Hier kommen eher Hyaluronfiller, ein Fadenlifting oder apparative Verfahren infrage.
Mögliche Anwendungsbereiche
In der ästhetischen Dermatologie werden Polynukleotide allgemein in folgenden Bereichen eingesetzt:
- Gesichtshaut mit nachlassender Spannkraft und Feuchtigkeit
- dünne, feinfaltige Haut im Bereich der Augen
- Hals und Dekolleté
- Handrücken
- unruhige Hautstruktur, etwa nach Akne
Welche Bereiche in Ihrem Fall sinnvoll behandelt werden können, wird nach der Untersuchung gemeinsam festgelegt.
Für wen Polynukleotide infrage kommen
Die Behandlung kann für Erwachsene infrage kommen, die die Qualität ihrer Haut verbessern möchten, ohne das Gesicht in seinen Proportionen zu verändern. Sie wird häufig auch als vorbeugende Maßnahme bei beginnender Hautalterung oder als Ergänzung zu anderen Verfahren gewählt. Voraussetzung ist gesunde Haut im Behandlungsgebiet.
Wann Polynukleotide nicht infrage kommen
- bekannte Allergie gegen Fisch oder gegen Bestandteile des Präparats
- Schwangerschaft und Stillzeit
- akute Entzündungen, Infektionen oder Lippenherpes im Behandlungsgebiet
- aktive Autoimmunerkrankungen, je nach Erkrankung und Behandlungsstand
- Störungen der Blutgerinnung
- laufende Tumorbehandlungen
Blutverdünnende Medikamente erhöhen das Risiko für Blutergüsse. Ärztlich verordnete Blutverdünner setzen Sie bitte niemals eigenständig ab, sondern sprechen Sie das Thema im Vorgespräch an.
Beratung und Aufklärung
Im Beratungsgespräch beurteilt Dr. Obuch Ihren Hautzustand und fragt nach Vorerkrankungen, Allergien, Medikamenten und früheren Behandlungen im Gesicht. Gemeinsam wird besprochen, welche Ziele realistisch sind, ob Polynukleotide für diese Ziele das passende Verfahren sind und wie eine Behandlungsserie aussehen kann. Die Aufklärung umfasst den Ablauf, mögliche Nebenwirkungen und Alternativen. Sie erhalten die Informationen auch schriftlich. Bestehen Hauterkrankungen wie Rosazea oder Akne, werden diese vorher dermatologisch eingeordnet, da eine akute Entzündung zunächst abklingen sollte.
Vorbereitung auf den Termin
Größere Vorbereitungen sind nicht nötig. Planen Sie wichtige Termine, bei denen Sie keine sichtbaren Einstichstellen haben möchten, nicht direkt auf den Behandlungstag. Auf Alkohol sollten Sie am Vortag verzichten, da er die Neigung zu Blutergüssen erhöhen kann. Liegt im Behandlungsgebiet ein Sonnenbrand, eine Entzündung oder ein frischer Lippenherpes vor, wird der Termin verschoben. Wenn Sie zu Lippenherpes neigen, sprechen Sie dies bitte vorab an.
Ablauf Schritt für Schritt: So werden Polynukleotide eingebracht
Vorbereitung
Kommen Sie möglichst ungeschminkt in die Praxis. Die Haut wird gründlich gereinigt. Um die Einstiche angenehmer zu machen, kann eine betäubende Creme aufgetragen werden, die einige Zeit einwirkt. Anschließend wird die Haut desinfiziert.
Injektion
Das Präparat wird mit einer sehr feinen Nadel in vielen kleinen Depots in die Haut eingebracht oder mit einer stumpfen Kanüle flächig verteilt. Welche Technik gewählt wird, hängt von der Region und der Hautdicke ab. Unmittelbar nach den Injektionen sind kleine Erhebungen auf der Haut sichtbar, die sich üblicherweise innerhalb von Stunden bis etwa einem Tag zurückbilden.
Abschluss
Zum Abschluss wird die Haut gereinigt und gegebenenfalls gekühlt. Danach können Sie die Praxis verlassen und Ihren Alltag in der Regel fortsetzen.
Behandlungsserie und Erhaltung
Polynukleotide entfalten ihre Wirkung über eine Serie von Behandlungen. Empfohlen werden meist drei bis fünf Sitzungen im Abstand von zwei bis drei Wochen. Wie viele Sitzungen sinnvoll sind, richtet sich nach dem Befund. Zur Erhaltung wird häufig eine Auffrischung etwa alle sechs Monate besprochen. Da die Haut weiter altert, ist die Wirkung nicht dauerhaft.
Der Grund für die Serie liegt im Wirkprinzip. Polynukleotide füllen nicht auf, sondern sollen Prozesse im Gewebe unterstützen, die Zeit brauchen. Die wiederholten Sitzungen in kurzen Abständen sollen diese Prozesse über mehrere Wochen begleiten. Zwischen den Sitzungen kann bei Bedarf beurteilt werden, wie Ihre Haut reagiert, und die Planung lässt sich entsprechend anpassen. Ergänzend tragen täglicher Sonnenschutz und eine auf Ihren Hauttyp abgestimmte Pflege wesentlich dazu bei, die Haut langfristig zu schützen.
Ausfallzeit und Nachsorge
Die Ausfallzeit beschränkt sich in der Regel auf den Behandlungstag. Rötungen, kleine Quaddeln und eine leichte Schwellung sind direkt nach der Behandlung üblich. Im Augenbereich kann die Schwellung etwas länger anhalten. An einzelnen Einstichstellen können Blutergüsse entstehen, die einige Tage sichtbar sein können.
- Verzichten Sie am Behandlungstag auf Make-up und massieren Sie die behandelte Haut nicht.
- Meiden Sie für etwa einen Tag Sport, Sauna und intensive Hitze.
- Schützen Sie die Haut konsequent vor Sonne.
Mögliche Nebenwirkungen und Risiken
Häufig und vorübergehend sind Rötungen, Schwellungen, Druckempfindlichkeit, kleine Quaddeln und Blutergüsse. Seltener kommen Knötchen, länger anhaltende Schwellungen, Infektionen oder eine Reaktivierung eines Lippenherpes vor. Allergische Reaktionen sind selten, deshalb ist die Frage nach einer Fischallergie im Vorgespräch wichtig. Wie bei jeder Injektion im Gesicht sind Verletzungen von Gefäßen sehr selten möglich. Bei zunehmenden Schmerzen, auffälliger Verfärbung der Haut, Fieber oder Sehstörungen melden Sie sich bitte umgehend in der Praxis.
Kombinationen mit anderen Behandlungen
Polynukleotide lassen sich gut in ein Gesamtkonzept einbinden. Die Mesotherapie mit unvernetzter Hyaluronsäure und Wirkstoffen sowie die PRP-Behandlung mit Eigenblutplasma verfolgen ähnliche Ziele und können je nach Befund ergänzend oder im Wechsel eingesetzt werden. Für Hautstruktur, Poren und feine Narben kommen das Microneedling, das Radiofrequenz-Microneedling oder der Frax CO2-Laser infrage. Bei nachlassender Festigkeit kann Thermage® FLX besprochen werden.
Die Praxis bietet außerdem Behandlungen mit Exosomen an. Exosomen sind winzige Bläschen, die von Zellen abgegeben werden und Botenstoffe transportieren. Ihre wissenschaftliche Bewertung in der ästhetischen Dermatologie steht noch am Anfang. Ob eine solche Behandlung für Sie infrage kommt, wird individuell besprochen. Einen Überblick über weitere injizierbare Verfahren finden Sie unter Unterspritzungen.
Kosten
Polynukleotide sind eine ästhetische Privatleistung und werden nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet. Die Kosten richten sich nach Behandlungsregion, Präparatmenge und Anzahl der Sitzungen. Nach der Beratung erhalten Sie eine individuelle Kostenaufstellung. Eine Erstattung durch Krankenversicherungen ist bei ästhetischen Behandlungen in der Regel nicht vorgesehen.
Polynukleotide in der Hamburger Innenstadt
Die Privatpraxis Derma & Ästhetik von Dr. med. Beata Obuch liegt am Großen Burstah 44, zwischen Rathaus und Rödingsmarkt. Mit der U3 erreichen Sie die Praxis über beide Haltestellen in wenigen Gehminuten, außerdem über den Jungfernstieg und die S-Bahn-Station Stadthausbrücke. Da eine Behandlungsserie mehrere Termine umfasst, ist die zentrale Lage für viele Patientinnen und Patienten praktisch, etwa in Verbindung mit dem Arbeitsweg in die Innenstadt. Termine vereinbaren Sie über Doctolib oder telefonisch unter 040 307 469 92.
Weiterführende Informationen: Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG)




