Wie Radiofrequenz-Microneedling funktioniert
Das Radiofrequenz-Microneedling verbindet zwei Prinzipien, die sich in ihrer Wirkung ergänzen. Das erste ist das Microneedling: Sehr feine Nadeln dringen in die Haut ein und erzeugen winzige, kontrollierte Stichkanäle. Die Haut reagiert darauf mit ihrem natürlichen Wundheilungsprogramm. Es werden Botenstoffe freigesetzt, die Fibroblasten werden aktiviert, und über Wochen bis Monate kann sich das Kollagennetz der Lederhaut neu ordnen und verdichten.
Das zweite Prinzip ist die Radiofrequenz. Gemeint sind elektromagnetische Wechselströme hoher Frequenz, die beim Durchfließen des Gewebes Wärme erzeugen, weil das Gewebe dem Strom einen Widerstand entgegensetzt. Beim Radiofrequenz-Microneedling wird diese Energie nicht von außen über die Hautoberfläche abgegeben, sondern über die Nadelspitzen direkt in der gewünschten Tiefe. Um jede Nadelspitze entsteht eine kleine Zone, in der das Gewebe kurzzeitig stark erwärmt und teilweise koaguliert wird. Diese Wärmeinseln verstärken den Reiz für die Kollagenneubildung und bewirken zusätzlich eine Kontraktion der vorhandenen Fasern.
Warum die Tiefe beim Radiofrequenz-Microneedling entscheidend ist
Ein Vorteil von Radiofrequenz-Microneedling liegt darin, dass die Eindringtiefe der Nadeln und die abgegebene Energie für jede Region und jedes Behandlungsziel angepasst werden können. An der dünnen Haut des Halses wird anders gearbeitet als an der Wange, und für tiefe Aknenarben oder die Schweißdrüsen der Achsel sind andere Einstellungen erforderlich als für feine Knitterfältchen. Da die Wärme überwiegend in der Tiefe entsteht und die Oberhaut weitgehend geschont wird, ist die Abhängigkeit vom Hautpigment geringer als bei vielen Lasern. Das Risiko von Pigmentverschiebungen ist dadurch jedoch nicht aufgehoben und wird bei jeder Behandlungsplanung berücksichtigt.
Für welche Hautveränderungen Radiofrequenz-Microneedling in Betracht kommt
In der Praxis wird das Radiofrequenz-Microneedling nach Befund bei folgenden Anliegen eingesetzt:
- nachlassende Hautfestigkeit und erschlaffte Haut an Gesicht, Hals und Dekolleté
- Falten und Knitterfältchen
- Aknenarben und andere eingesunkene Narben
- vergrößerte Poren und eine unruhige Hautstruktur
- Dehnungsstreifen, zum Beispiel nach einer Schwangerschaft
- übermäßiges Schwitzen in den Achseln (Hyperhidrose)
Bei Akne und Rosazea kann das Verfahren als Baustein eines umfassenden Behandlungskonzepts sinnvoll sein. Ob bei noch aktiver Entzündung behandelt werden kann oder zunächst eine dermatologische Basistherapie erforderlich ist, entscheidet sich nach dem Befund. Mehr dazu finden Sie auf der Seite zur Aknebehandlung.
Behandlung bei übermäßigem Schwitzen
Die Schweißdrüsen der Achsel liegen im Übergangsbereich zwischen Lederhaut und Unterhautfettgewebe. Mit entsprechend gewählter Nadeltiefe kann die Radiofrequenzenergie diese Region erreichen und die Drüsen durch Wärme schädigen, mit dem Ziel, ihre Aktivität zu verringern. In der Praxis wird diese Form als Radiofrequenz-Thermotherapie in Kombination mit Microneedling angeboten. Vorher sollte geklärt werden, ob das Schwitzen Ausdruck einer anderen Erkrankung ist, etwa einer Schilddrüsenüberfunktion oder hormoneller Veränderungen. Weitere Informationen bietet die Seite zur Schweißbehandlung.
Was realistisch erwartet werden kann
Radiofrequenz-Microneedling zielt darauf ab, die Qualität und Festigkeit der Haut schrittweise zu verbessern. Es verändert weder die Knochenstruktur noch das Volumen des Gesichts und ersetzt bei ausgeprägtem Hautüberschuss keine Operation. Bei Narben ist das Ziel eine Abflachung und ein weicherer Übergang zur umgebenden Haut, nicht deren vollständiges Verschwinden. Dehnungsstreifen sprechen in ihrer frischen, rötlichen Phase oft anders an als ältere, weißliche Streifen. Wie deutlich eine Veränderung ausfällt, hängt von Ausgangsbefund, Alter, Hauttyp und Lebensstil ab und ist individuell unterschiedlich. Diese Einordnung ist Teil jeder Beratung, damit Erwartung und Möglichkeiten zueinander passen.
Wann von Radiofrequenz-Microneedling abgeraten wird
Nicht jede Haut und nicht jede Lebenssituation ist für das Radiofrequenz-Microneedling geeignet. Gegen eine Behandlung oder für eine besonders sorgfältige Abwägung sprechen insbesondere:
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Herzschrittmacher, implantierte Defibrillatoren oder andere elektronische Implantate
- Metallimplantate oder Goldfäden im Behandlungsareal
- akute Infektionen der Haut, ein aktiver Lippenherpes oder offene Wunden im Areal
- eine Neigung zu wulstigen Narben (Keloiden)
- Gerinnungsstörungen oder die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente, die Sie bitte nicht eigenmächtig absetzen
- die Einnahme von Vitamin-A-Säure-Präparaten zum Einnehmen innerhalb der letzten Monate
- Erkrankungen, die die Wundheilung beeinträchtigen, sowie ein frischer Sonnenbrand
Beratung und Hautanalyse
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch mit Dr. med. Beata Obuch, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Dermatochirurgie und Lasertherapie. Sie erfragt Vorerkrankungen, Medikamente, frühere Behandlungen und Ihre Erwartungen. Anschließend untersucht sie die Haut: Hauttyp, Hautdicke, Grad der Erschlaffung, Art und Tiefe von Narben sowie mögliche entzündliche Veränderungen. Bei Aknenarben ist zum Beispiel wichtig, ob es sich um schmale, tiefe Narben, um breitere Mulden oder um weiche, wellenförmige Vertiefungen handelt, denn diese Formen sprechen unterschiedlich auf Behandlungen an.
Aus dem Befund ergibt sich ein Vorschlag für die Zahl der Sitzungen, die Abstände und gegebenenfalls sinnvolle Kombinationen. Ebenso offen werden die Grenzen von Radiofrequenz-Microneedling besprochen, damit Sie eine informierte Entscheidung treffen können.
Radiofrequenz-Microneedling Schritt für Schritt
Eine Sitzung dauert je nach Areal etwa 30 bis 60 Minuten, die Einwirkzeit der Betäubungscreme nicht eingerechnet.
- Die Haut wird gereinigt und von Make-up befreit.
- Eine lokale Betäubungscreme wird aufgetragen und wirkt einige Zeit ein.
- Nach dem Entfernen der Creme wird die Haut desinfiziert.
- Das Handstück wird Abschnitt für Abschnitt aufgesetzt. Die Nadeln fahren für einen Sekundenbruchteil in die Haut, geben den Radiofrequenzimpuls ab und ziehen sich wieder zurück. Tiefe und Energie werden je nach Zone angepasst.
- Zum Abschluss wird die Haut gekühlt und mit einer beruhigenden Pflege versorgt.
Empfinden und Betäubung
Durch die Betäubungscreme ist die Behandlung in der Regel gut zu ertragen. Viele Menschen spüren ein Pieksen und eine kurze, tiefe Wärme bei jedem Impuls. In knochennahen Bereichen wie Stirn oder Kieferkante und bei tieferen Einstellungen ist das Empfinden meist deutlicher. Die Behandlung kann jederzeit unterbrochen werden, wenn Sie eine Pause benötigen.
Ausfallzeit und typische Hautreaktion
Unmittelbar nach dem Radiofrequenz-Microneedling ist die Haut gerötet, warm und leicht geschwollen, ähnlich wie nach einem kräftigen Sonnenbrand. Häufig sind feine Punkte oder ein zartes Raster der Nadelspitzen erkennbar, mitunter auch kleine Krusten. In der Regel klingen Rötung und Schwellung innerhalb von ein bis zwei Tagen deutlich ab. Gerade bei Behandlungen im Gesicht empfiehlt es sich, den Termin vor ein Wochenende oder vor freie Tage zu legen. Kleine Blutergüsse sind möglich, besonders in Bereichen mit dünner Haut.
Nachsorge und Sonnenschutz
In den ersten Tagen braucht die Haut vor allem Ruhe. Reinigen Sie sie behutsam mit lauwarmem Wasser und verwenden Sie die empfohlene, reizarme Pflege. Auf Sauna, Schwimmbad, intensiven Sport und stark wärmende Anwendungen sollten Sie verzichten, bis die Rötung abgeklungen ist. Wirkstoffe wie Fruchtsäuren, Retinol oder Peelings werden für einige Tage pausiert. Wann Make-up wieder aufgetragen werden kann, wird Ihnen nach der Behandlung erklärt. Besonders wichtig ist ein konsequenter Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor über mehrere Wochen, da frisch behandelte Haut empfindlicher auf UV-Strahlung reagiert und Pigmentflecken entstehen können.
Wie viele Sitzungen Radiofrequenz-Microneedling notwendig sind
Die Umbauprozesse im Bindegewebe brauchen Zeit, und ihre Wirkung summiert sich über mehrere Behandlungen. Häufig werden zwei bis drei Sitzungen im Abstand von etwa vier bis zwölf Wochen empfohlen. Bei Narben, Dehnungsstreifen oder ausgeprägter Erschlaffung können mehr Sitzungen sinnvoll sein. Erste Veränderungen der Hautstruktur werden teilweise nach ein bis zwei Wochen bemerkt, der Kollagenumbau setzt sich jedoch über Monate fort. Wie deutlich und wie lange eine Veränderung sichtbar ist, ist individuell unterschiedlich. Bei Hyperhidrose richtet sich die Zahl der Sitzungen nach dem Verlauf.
Mögliche Nebenwirkungen und Risiken
Zu den erwarteten Reaktionen gehören Rötung, Schwellung, punktförmige Einblutungen und Spannungsgefühl. Seltener können auftreten:
- Blutergüsse oder ein länger sichtbares Raster der Nadelspitzen
- Infektionen oder das Wiederaufflammen eines Lippenherpes
- vorübergehende Pigmentverschiebungen, insbesondere bei dunklerer Haut oder unzureichendem Sonnenschutz
- kleine Unreinheiten oder Hautgrieß (Milien)
- vorübergehende Missempfindungen
- sehr selten Narben
Wer zu Lippenherpes neigt, sollte dies vorab angeben, damit vorbeugende Maßnahmen besprochen werden können.
Alternativen und Kombinationen
Je nach Befund kommen neben Radiofrequenz-Microneedling andere oder ergänzende Verfahren in Betracht. Steht die Straffung größerer Areale ohne Nadeln im Vordergrund, kann Thermage® FLX eine Alternative sein. Bei tiefen Narben, Lichtschäden und deutlichen Veränderungen der Hautoberfläche ist eine Behandlung mit dem Frax CO2-Laser möglich, die mit einer längeren Ausfallzeit verbunden ist. Allgemeine Informationen zum Prinzip der Kollageninduktion finden Sie auf der Seite zum Microneedling.
Zur Unterstützung der Hautqualität können Verfahren wie die PRP-Behandlung, Polynukleotide oder die Mesotherapie besprochen werden. Rötungen und erweiterte Äderchen, die bei Rosazea häufig sind, lassen sich mit Nadeln nicht gezielt behandeln. Hierfür steht die Diodenlaser-Therapie zur Verfügung. Welche Kombination sinnvoll ist und in welcher Reihenfolge behandelt wird, wird individuell festgelegt.
Kosten
Das Radiofrequenz-Microneedling ist eine Privatleistung, die nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet wird. Die Kosten richten sich nach Größe und Zahl der Areale, nach der Indikation und nach der Zahl der Sitzungen. Nach der Beratung erhalten Sie einen individuellen Kostenvoranschlag. Ästhetisch motivierte Behandlungen werden von privaten Krankenversicherungen in der Regel nicht erstattet. Bei medizinischen Indikationen wie einer ausgeprägten Hyperhidrose klären Sie die Erstattungsfähigkeit bitte vorab mit Ihrer Versicherung.
Ihr Weg in die Praxis
Die Privatpraxis Derma & Ästhetik befindet sich am Großen Burstah 44 in der Hamburger Innenstadt, zwischen Rathaus und Rödingsmarkt. Die U3-Haltestellen Rathaus und Rödingsmarkt liegen nur wenige Gehminuten entfernt, ebenso der Jungfernstieg mit den Linien U1, U2 und U4. Einen Termin zur Beratung über Radiofrequenz-Microneedling in Hamburg können Sie über Doctolib buchen oder telefonisch unter 040 307 469 92 vereinbaren.
Weiterführende Informationen: Deutsche Dermatologische Lasergesellschaft (DDL)



