Das Wichtigste in Kürze
- Akne ist keine reine Teenagerkrankung. Sie kann bis ins Erwachsenenalter anhalten oder erst dann beginnen, bei Frauen besonders häufig an Kinn, Kieferlinie und Hals.
- Hormonelle Schwankungen, Veranlagung, Stress, bestimmte Kosmetika und Medikamente können sie begünstigen. Mangelnde Hygiene ist keine Ursache.
- Typische Pflegefehler sind zu häufiges Waschen, aggressive Produkte, Ausdrücken und ständig wechselnde Präparate.
- Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad und ist in Stufen aufgebaut. Sie braucht Geduld, denn Wirkungen zeigen sich erst nach mehreren Wochen.
- Aknenarben lassen sich behandeln, wenn die Akne zur Ruhe gekommen ist, zum Beispiel mit dem Frax CO2-Laser oder mit Radiofrequenz-Microneedling.
Was ist Akne bei Erwachsenen?
Akne, medizinisch Acne vulgaris, ist eine Erkrankung der Talgdrüsenfollikel, also der Haarwurzeln mit den dazugehörigen Talgdrüsen. Sie entsteht dort, wo besonders viele Talgdrüsen sitzen, vor allem im Gesicht, auf der Brust und am Rücken. An der Entstehung sind mehrere Vorgänge beteiligt, die ineinandergreifen: Die Talgdrüsen bilden vermehrt Talg, die Haut am Ausgang des Follikels verhornt stärker, Talg und Hornzellen verstopfen die Pore, und Bakterien, die ohnehin auf der Haut leben, vermehren sich im verstopften Follikel. Das Immunsystem reagiert mit einer Entzündung.
Bei Erwachsenen spricht man von Spätakne, in der Fachsprache auch Acne tarda. Es gibt zwei Verläufe. Bei manchen Menschen hält die Akne aus der Jugend ohne Pause an. Bei anderen beginnt sie nach dem 25. Lebensjahr neu, oft nach Jahren mit unauffälliger Haut. Betroffen sind häufiger Frauen. Typisch ist ein Befall des unteren Gesichtsdrittels mit Kinn, Kieferlinie und Hals. Die Veränderungen sind oft tiefer liegende, schmerzempfindliche Knötchen, die langsam kommen und lange bleiben, während Mitesser weniger im Vordergrund stehen. Bei vielen Frauen schwankt das Hautbild mit dem Zyklus.
Ursachen: Warum Akne im Erwachsenenalter auftritt
Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Meist wirken mehrere Faktoren zusammen, und ihr Gewicht ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Hormonelle Faktoren
Männliche Hormone, die auch im Körper von Frauen vorkommen, regen die Talgproduktion an. Entscheidend ist dabei oft nicht ein erhöhter Hormonspiegel, sondern eine erhöhte Empfindlichkeit der Talgdrüsen. Hormonelle Veränderungen können das Hautbild beeinflussen: der Zyklus, das Absetzen hormoneller Verhütungsmittel, eine Schwangerschaft, die Zeit nach der Geburt und die Wechseljahre. Bei Zyklusstörungen, vermehrtem Haarwuchs im Gesicht oder am Körper oder Haarausfall sollte auch an eine hormonelle Störung gedacht werden. Dann ist eine Abklärung gemeinsam mit der gynäkologischen oder endokrinologischen Praxis sinnvoll.
Veranlagung und Lebensumstände
Wenn Eltern oder Geschwister Akne hatten, ist das Risiko höher, denn die Veranlagung ist ein wesentlicher Faktor. Stress verschlimmert vorhandene Akne bei vielen Menschen, er löst sie aber nicht allein aus. Auch Druck und Reibung auf der Haut, etwa durch Masken, Helme, Kinnriemen oder das Aufstützen des Kinns, können Entzündungen begünstigen. Manche Medikamente, ölige Haarpflege und stark fettende oder porenverstopfende Kosmetika spielen ebenfalls eine Rolle. Zur Ernährung gibt es Hinweise, dass stark zuckerhaltige Lebensmittel und Milchprodukte bei manchen Menschen ungünstig wirken, und auch Eiweißpräparate werden diskutiert. Die Zusammenhänge sind individuell sehr unterschiedlich, eine Ernährungsumstellung ersetzt keine Behandlung.
Was nicht dahintersteckt
Akne entsteht nicht durch mangelnde Hygiene, und sie ist nicht ansteckend. Häufiges und kräftiges Waschen verbessert die Haut nicht, es reizt sie eher. Ebenso wenig ist es ein persönliches Versäumnis, wenn die Haut im Erwachsenenalter noch unrein ist.
Typische Pflegefehler bei Akne
Viele Betroffene versuchen, die Haut mit großem Einsatz in den Griff zu bekommen, und erreichen damit das Gegenteil. Diese Fehler begegnen uns in der Praxis häufig:
- Zu häufiges und zu kräftiges Reinigen: Mehr als zwei sanfte Reinigungen am Tag schwächen die Hautbarriere. Die gereizte Haut reagiert mit mehr Entzündung.
- Aggressive Produkte: Alkoholhaltige Gesichtswässer, Peelings mit Körnern und Bürsten trocknen aus und reizen. Eine ausgetrocknete Haut ist nicht gesünder, sondern empfindlicher.
- Ausdrücken: Beim Drücken wird die Entzündung oft in tiefere Hautschichten gedrängt. Das verlängert den Verlauf und begünstigt Narben und dunkle Flecken.
- Ständiger Wechsel der Produkte: Keine Pflege und kein Medikament zeigt innerhalb weniger Tage eine Wirkung. Wer jede Woche ein neues Mittel testet, gibt keinem eine Chance.
- Zu reichhaltige Pflege und schweres Make-up: Fettende Cremes, Öle und deckende Foundations können die Poren verschließen. Achten Sie auf Produkte, die als nicht porenverstopfend gekennzeichnet sind, und entfernen Sie Make-up abends gründlich.
- Verzicht auf Feuchtigkeit und Sonnenschutz: Auch unreine Haut braucht eine leichte Feuchtigkeitspflege. Sonnenschutz verhindert, dass Rötungen und Pigmentflecken nach der Akne dunkler werden.
- Zu frühes Abbrechen der Behandlung: Viele Therapien brauchen Wochen. Wer nach kurzer Zeit aufhört, weil sich scheinbar nichts tut, wirft die Behandlung zurück.
Eine einfache Basis sieht so aus: morgens und abends mit lauwarmem Wasser und einem milden Produkt reinigen, eine leichte, nicht porenverstopfende Feuchtigkeitspflege auftragen und tagsüber Sonnenschutz verwenden. Alles Weitere sollte sich nach Ihrem Hautbild richten und mit der Ärztin abgestimmt werden.
Einige Gewohnheiten im Alltag helfen zusätzlich. Duschen Sie nach dem Sport, damit Schweiß nicht auf der Haut eintrocknet, wechseln Sie den Kissenbezug regelmäßig und reinigen Sie das Smartphone, das häufig am Gesicht anliegt. Wer sich rasiert, sollte eine scharfe Klinge verwenden und nicht mehrfach über dieselbe Stelle fahren. Schminken ist erlaubt, solange die Produkte nicht porenverstopfend sind und gründlich entfernt werden. Es spricht nichts dagegen, Unreinheiten abzudecken, wenn das Ihr Wohlbefinden stärkt.
Wann sollten Sie mit Akne zum Hautarzt?
Eine fachärztliche Behandlung ist sinnvoll, wenn frei verkäufliche Pflege nach mehreren Wochen keine ausreichende Besserung bringt, wenn sich tiefe, schmerzhafte Knoten bilden, wenn Narben oder dunkle Flecken zurückbleiben oder wenn die Akne erst im Erwachsenenalter auftritt. Auch wenn die Haut Sie im Alltag belastet, ist das ein berechtigter Grund. Je früher eine entzündliche Akne gezielt behandelt wird, desto eher lässt sich das Risiko bleibender Narben verringern.
Wichtig ist außerdem die richtige Diagnose. Nicht alles, was nach Akne aussieht, ist Akne. Die Rosazea, eine Entzündung rund um den Mund oder Haarbalgentzündungen durch Pilze oder Bakterien ähneln ihr, brauchen aber eine andere Behandlung. Ausführliche Informationen zum Angebot der Praxis finden Sie auf der Seite Akne-Behandlung.
Die erste Untersuchung: Was wir wissen möchten
Am Anfang stehen das Gespräch und die Untersuchung der Haut. Dr. Obuch fragt, seit wann die Akne auftritt, wie sie sich entwickelt hat, ob sie mit dem Zyklus schwankt, welche Produkte und Medikamente Sie bisher verwendet haben und ob Akne in Ihrer Familie vorkommt. Anschließend beurteilt sie Form, Schweregrad und Ausdehnung der Akne sowie mögliche Narben und Pigmentveränderungen. Bei Hinweisen auf hormonelle Einflüsse bespricht sie mit Ihnen, ob eine weitere Abklärung sinnvoll ist. Aus diesen Informationen ergibt sich der individuelle Behandlungsplan, den Sie im Gespräch nachvollziehen können.
Stufentherapie: So wird Akne behandelt
Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad, Hautbild und Lebenssituation. Ärztliche Leitlinien sehen ein Vorgehen in Stufen vor, das wir an Ihre Haut anpassen. Dr. med. Beata Obuch stellt dafür eine Therapie zusammen, die verschiedene Bausteine kombiniert.
Leichte Akne: Mitesser und wenige Entzündungen
Hier steht die äußerliche Behandlung im Vordergrund. Verschreibungspflichtige Präparate zum Auftragen beeinflussen die Verhornung, die Bakterien und die Entzündung. Ergänzend kann ein Fruchtsäurepeeling in der Praxis die oberen, verdickten Hornschichten lösen und verstopfte Poren öffnen. Das Peeling wird nach einer festgelegten Einwirkzeit neutralisiert. Ein leichtes Brennen und eine vorübergehende Rötung sind üblich. Meist sind mehrere Anwendungen im Abstand einiger Wochen sinnvoll.
Mittelschwere Akne: viele Papeln und Pusteln
Bei stärkerer Entzündung werden mehrere äußerliche Wirkstoffe kombiniert. Zusätzlich können verschreibungspflichtige Medikamente zum Einnehmen mit entzündungshemmender Wirkung für eine begrenzte Zeit eingesetzt werden. Bei Frauen mit hormonellem Muster kommt auch eine hormonell wirksame Behandlung in Betracht, die wir mit der gynäkologischen Praxis abstimmen. Unterstützend sind Verfahren wie ein Ultraschallpeeling zur tiefen Reinigung der Haut, Microneedling mit Radiofrequenz und, je nach Befund, der Diodenlaser möglich.
Schwere Akne: Knoten, Zysten, Narbenneigung
Bei tiefen Knoten und Zysten oder wenn Narben entstehen, ist eine intensivere, innerlich wirkende Therapie sinnvoll. Es handelt sich um verschreibungspflichtige Medikamente, die auf die Talgdrüsen wirken und nur nach ärztlicher Untersuchung verordnet werden. Sie erfordern begleitende Kontrollen und besondere Vorsichtsmaßnahmen. Manche dieser Medikamente dürfen in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Sagen Sie uns deshalb bitte, wenn eine Schwangerschaft möglich oder geplant ist. Über alle Einzelheiten werden Sie vor Beginn ausführlich aufgeklärt.
Was Sie von der Behandlung erwarten können
In den ersten Wochen kann sich das Hautbild vorübergehend verschlechtern, bevor es besser wird. Bis eine Wirkung sichtbar wird, vergehen in der Regel mehrere Wochen. Ist die Haut ruhiger geworden, wird die Behandlung oft angepasst und als Erhaltungstherapie fortgeführt, damit sich keine neuen Entzündungen bilden. Kontrolltermine gehören dazu. Wie gut die Haut anspricht, ist individuell verschieden, und ein bestimmtes Ergebnis können wir nicht zusagen.
Rote und dunkle Flecken nach Akne: noch keine Narben
Nach abgeheilten Entzündungen bleiben häufig rote oder bräunliche Flecken zurück. Meist handelt es sich nicht um Narben, sondern um eine vorübergehende Rötung oder um vermehrte Pigmentbildung als Reaktion auf die Entzündung. Solche Flecken verblassen in vielen Fällen innerhalb von Monaten von selbst. Konsequenter Sonnenschutz ist dabei wichtig, weil UV-Strahlung die Pigmentierung verstärkt. Echte Narben dagegen sind bleibende Veränderungen der Hautstruktur, die sich nicht von selbst zurückbilden.
Aknenarben: Möglichkeiten der Behandlung
Wenn die Akne zur Ruhe gekommen ist, kann die Behandlung der Narben geplant werden. Zuvor sollten keine neuen Entzündungen mehr entstehen, denn sonst bilden sich neue Narben. Man unterscheidet mehrere Narbenformen: schmale, tiefe Einziehungen, die Eisstichnarben genannt werden, flache Mulden mit weichen Rändern, breitere Narben mit steilen Rändern und erhabene Narben. Häufig liegen mehrere Formen nebeneinander vor, was für die Wahl des Verfahrens wichtig ist.
Frax CO2-Laser
Der Frax CO2-Laser ist ein fraktionierter Laser. Er erzeugt auf der Hautoberfläche tausende kleine Behandlungspunkte, die sich als schmale Säulen in die Tiefe erstrecken. Dabei wird nur ein Teil der Hautfläche erfasst, das Gewebe dazwischen bleibt unbehandelt und trägt zur Erneuerung bei. Der Körper bildet in den behandelten Zonen neues Gewebe und neues Kollagen. Dadurch können Narben flacher und die Hautstruktur ebenmäßiger werden. Eine Behandlung von Aknenarben dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Zuvor tragen wir eine Betäubungscreme auf, und Sie erhalten bei Bedarf ein Schmerzmittel. Nach der Behandlung ist die Haut gerötet und geschwollen und kann Krusten bilden. Rechnen Sie mit einer Ausfallzeit von etwa einer Woche. Für Aknenarben empfehlen wir in der Regel eine bis zwei Sitzungen im Abstand von drei bis sechs Monaten. Weitere Einzelheiten finden Sie auf der Seite Frax CO2-Laser.
Nicht geeignet ist der Frax CO2-Laser bei akuten Hautentzündungen und bei dunkleren Hauttypen ab Hauttyp IV, weil das Risiko für Pigmentverschiebungen steigt. In diesen Fällen suchen wir gemeinsam nach einer Alternative.
Radiofrequenz-Microneedling
Beim Radiofrequenz-Microneedling dringen feine Nadeln in die Haut ein und geben zusätzlich Radiofrequenzenergie in die Tiefe ab. Dies setzt Heilungs- und Erneuerungsvorgänge in Gang und regt die Kollagenbildung an. Das Verfahren wird bei Aknenarben und vergrößerten Poren eingesetzt. Vor der Behandlung tragen wir eine Betäubungscreme auf. Üblich sind zwei bis drei Sitzungen im Abstand von vier bis zwölf Wochen, bei ausgeprägten Narben können mehr nötig sein. Die Ausfallzeit beträgt meist ein bis zwei Tage. Mehr dazu unter Radiofrequenz-Microneedling. Auch das klassische Microneedling wird bei Aknenarben eingesetzt.
Realistische Erwartungen und Kosten
Aknenarben lassen sich verbessern, aber meist nicht vollständig entfernen. Kollagen bildet sich langsam, sodass Veränderungen oft erst nach Wochen und Monaten sichtbar werden. Wie viel sich erreichen lässt, hängt von Narbentyp, Tiefe, Hauttyp und Ihrer individuellen Heilungsreaktion ab. Nach den Behandlungen ist konsequenter Sonnenschutz wichtig. Die Kosten hängen vom Befund und von der Zahl der Sitzungen ab und werden nach GOÄ berechnet. Laser und Microneedling bei Narben sind in der Regel Selbstzahlerleistungen, die Sie vorab von uns erfahren.
Termin bei uns vereinbaren
Ob eine Akne im Erwachsenenalter zunächst Pflege, eine medikamentöse Behandlung oder eine Abklärung der Hormone braucht, lässt sich erst nach der Untersuchung sagen. In unserer Praxis am Großen Burstah nehmen wir uns dafür Zeit, auch für Ihre Fragen zu Narben und zu den Kosten. Sie erreichen uns mit der U3 über Rathaus und Rödingsmarkt. Buchen Sie online über Doctolib oder rufen Sie uns unter 040 307 469 92 an. Weitere Wege der Kontaktaufnahme finden Sie auf der Seite Kontakt, und einen Überblick über die Leistungen der Praxis unter Dermatologie.
Weiterführende Informationen: gesund.bund.de, das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums: Akne, Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG)