Das Wichtigste in Kürze
- Die allermeisten Muttermale sind harmlos. Wichtig ist, dass Sie Ihre eigenen Muttermale kennen und Veränderungen bemerken.
- Die ABCDE-Regel hilft bei der Einschätzung: Asymmetrie, Begrenzung, Colour (Farbe), Durchmesser und Entwicklung.
- Jucken, Bluten, Nässen, eine Wunde, die nicht abheilt, oder rasches Wachstum sind Gründe, nicht lange abzuwarten.
- Untersuchen Sie Ihre Haut alle paar Monate selbst und fotografieren Sie auffällige Stellen mit einem Maßstab. Das ersetzt die ärztliche Untersuchung nicht.
- Ein auffälliges Muttermal wird in örtlicher Betäubung entfernt und anschließend feingeweblich untersucht. Erst dieser Befund sagt verlässlich, ob die Veränderung gutartig ist.
Was ein Muttermal ist und was als normal gilt
Muttermale, medizinisch Nävi oder Pigmentnävi, sind gutartige Ansammlungen pigmentbildender Zellen in der Haut. Fast jeder Mensch hat welche, ihre Zahl ist aber sehr verschieden und zum Teil erblich bedingt. Die meisten entstehen in der Kindheit und Jugend. Wenn im Erwachsenenalter ein neues Muttermal auftaucht, ist das nicht automatisch ein Grund zur Sorge, es sollte aber im Blick behalten werden.
Muttermale verändern sich im Lauf des Lebens auf völlig normale Weise. Sie wachsen mit dem Körper mit, sie können in der Pubertät und in der Schwangerschaft etwas dunkler werden, und mit zunehmendem Alter werden manche blasser, etwas erhabener oder verschwinden ganz. Auch nach Sonnenlicht wirken sie zeitweise dunkler. Auffällig wird eine Veränderung erst, wenn sie ungewöhnlich schnell abläuft, nur an einer Stelle des Muttermals stattfindet oder wenn sich ein Muttermal deutlich von allen anderen unterscheidet.
Wer sehr viele Muttermale hat, einen hellen Hauttyp mitbringt, früher häufig Sonnenbrände hatte oder wessen nahe Verwandte an Hautkrebs erkrankt sind, sollte die eigene Haut besonders aufmerksam beobachten und regelmäßig ärztlich kontrollieren lassen. In diesen Fällen hilft eine Fotodokumentation, weil sich bei vielen Malen kaum merken lässt, wie jedes einzelne Muttermal ausgesehen hat.
Die ABCDE-Regel: So beurteilen Sie ein Muttermal
Für die Selbstbeobachtung hat sich die ABCDE-Regel bewährt. Sie ist eine einfache Merkhilfe, die Ihnen zeigt, bei welchen Merkmalen ein genauerer Blick durch die Ärztin sinnvoll ist.
- A wie Asymmetrie: Wenn Sie das Muttermal gedanklich in zwei Hälften teilen, sehen diese deutlich unterschiedlich aus. Harmlose Muttermale sind meist rund oder oval und gleichmäßig aufgebaut.
- B wie Begrenzung: Der Rand ist unscharf, ausgefranst, gezackt oder verwaschen, die Farbe läuft in die Umgebung aus.
- C wie Colour (Farbe): Innerhalb eines Muttermals finden sich mehrere Farbtöne, etwa hell- und dunkelbraun, schwarz, rötlich, bläulich oder weißlich, oft ungleichmäßig verteilt.
- D wie Durchmesser: Der Durchmesser beträgt mehr als etwa fünf Millimeter. Die Größe allein macht ein Muttermal nicht gefährlich, aber größere Male verdienen mehr Aufmerksamkeit.
- E wie Entwicklung: Das Muttermal verändert sich in Größe, Form, Farbe oder Oberfläche, es wird erhaben, oder es macht Beschwerden. Dieses Merkmal ist das wichtigste.
Ein einzelnes Merkmal bedeutet nicht, dass etwas Ernstes vorliegt. Es genügt aber als Anlass, die Stelle ärztlich ansehen zu lassen. Hilfreich ist außerdem der Vergleich mit Ihren übrigen Muttermalen: Die Male eines Menschen ähneln sich meist. Ein Muttermal, das aus der Reihe fällt, weil es dunkler, heller, größer oder anders aufgebaut ist als die anderen, wird in der Fachsprache als hässliches Entlein bezeichnet und verdient Beachtung.
Die Regel hat auch Grenzen. Manche bösartigen Veränderungen, besonders knotig wachsende, sind symmetrisch, rund und klein. Bei ihnen fallen eher eine feste, erhabene Beschaffenheit und rasches Wachstum auf. Andere enthalten kaum Pigment und sehen rötlich oder hautfarben aus. Deshalb ersetzt die ABCDE-Regel nie die Untersuchung mit dem Dermatoskop, sie ergänzt sie nur.
Weitere Warnzeichen, auf die Sie achten sollten
Nicht jede bedenkliche Hautveränderung ist ein dunkles Muttermal. Achten Sie auch auf diese Zeichen:
- ein Muttermal, das juckt, brennt oder schmerzt, ohne dass es gereizt wurde
- eine Stelle, die ohne erkennbare Verletzung blutet, nässt oder wiederholt verkrustet
- eine kleine Wunde, die auch nach mehreren Wochen nicht abheilt
- ein neuer Knoten oder eine neue, raue und schuppige Stelle, vor allem im Gesicht, auf der Kopfhaut, an den Ohren oder den Handrücken
- ein Fleck mit einem rötlichen Hof oder ein Muttermal, das von einem hellen Ring umgeben ist
- ein dunkler Streifen im Finger- oder Zehennagel, der breiter wird oder sich ohne Verletzung gebildet hat
- ein neues dunkles Mal auf Handfläche oder Fußsohle
Viele dieser Zeichen haben harmlose Ursachen, etwa eine Reizung durch Reibung, einen Pilz oder eine Entzündung. Welche Ursache vorliegt, lässt sich aber von außen nicht sicher sagen. Eben deshalb ist ein ärztlicher Blick sinnvoll.
So untersuchen Sie Ihre Haut selbst
Die Selbstuntersuchung dauert nur wenige Minuten und lässt sich gut alle paar Monate in den Alltag einbauen, zum Beispiel nach dem Duschen. Sie brauchen gutes Licht, einen großen Spiegel und einen Handspiegel. Für den Rücken hilft eine zweite Person oder eine Fotoaufnahme mit dem Smartphone.
- Betrachten Sie zuerst Gesicht, Ohren, Hals und Nacken. Schauen Sie dabei auch hinter die Ohren.
- Teilen Sie die Haare mit einem Kamm oder blasen Sie sie mit dem Föhn auseinander, um die Kopfhaut zu sehen. Bitten Sie hier gern um Hilfe.
- Untersuchen Sie Arme und Hände, auch Handflächen, Fingerzwischenräume und Nägel.
- Prüfen Sie Brust, Bauch und die Haut unter der Brust sowie den Rücken und das Gesäß mit Hilfe der beiden Spiegel.
- Sehen Sie sich Beine, Fußrücken und Fußsohlen an, ebenso die Zehenzwischenräume und die Nägel.
- Fotografieren Sie auffällige Stellen aus gleichbleibendem Abstand und legen Sie ein Lineal oder eine Münze daneben. So können Sie später sicher vergleichen, ob sich etwas getan hat.
Notieren Sie das Datum der Aufnahmen. Wenn Sie nach einigen Wochen Unterschiede feststellen, ist das ein guter Anlass für einen Termin. Die Selbstuntersuchung ersetzt aber keine ärztliche Untersuchung, denn viele Veränderungen sind erst unter dem Dermatoskop sicher zu beurteilen.
Wann Sie zum Hautarzt gehen sollten und wann Sie nicht abwarten sollten
Ein Termin ist sinnvoll, wenn Sie bei einem Muttermal unsicher sind. Das gilt besonders in diesen Situationen:
- Ein Muttermal hat sich über Wochen oder Monate in Größe, Form oder Farbe verändert.
- Im Erwachsenenalter ist ein neues, auffälliges Muttermal entstanden.
- Ein Muttermal unterscheidet sich deutlich von Ihren übrigen Malen.
- Ein Muttermal ist durch Reibung, etwa am Hosenbund, am BH-Träger oder beim Rasieren, wiederholt gereizt.
Warten Sie nicht lange ab, sondern melden Sie sich in den nächsten Tagen, wenn ein Muttermal oder eine Hautstelle ohne Verletzung blutet, wiederholt nässt oder verkrustet, innerhalb weniger Wochen deutlich wächst, sich knotig oder derb anfühlt oder wenn eine offene Stelle über mehrere Wochen nicht abheilt. Das ist kein Notfall im Sinne einer Notaufnahme, aber ein Grund, den Termin nicht auf die lange Bank zu schieben. Schildern Sie am Telefon kurz, worum es geht, damit wir einen passenden Termin finden.
Bis zum Termin gilt: Kratzen Sie die Stelle nicht auf, kleben Sie keine Mittel darauf und wenden Sie keine Hausmittel an. Lassen Sie ein Muttermal weder vereisen noch lasern noch kosmetisch behandeln, bevor es ärztlich beurteilt wurde. Danach lässt sich nicht mehr klären, um welche Veränderung es sich gehandelt hat.
Die Untersuchung in unserer Praxis
Zu Beginn fragen wir nach der Geschichte der Veränderung: Seit wann ist sie Ihnen aufgefallen, hat sie sich verändert, gibt es Beschwerden, und wie ist Ihr persönliches und familiäres Risiko? Anschließend untersucht Dr. Obuch die Stelle mit dem Dermatoskop. Diese beleuchtete Vergrößerungsoptik macht Pigmentmuster, Strukturen und Gefäße in den oberen Hautschichten sichtbar, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. So lässt sich ein unauffälliges Muttermal in vielen Fällen von einem abklärungsbedürftigen unterscheiden.
Ist die Beurteilung eindeutig, erfahren Sie das und können in der Regel beruhigt nach Hause gehen. Bleibt eine Unsicherheit, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Stelle wird fotografiert und nach kurzer Zeit erneut verglichen, oder sie wird entfernt. Wer ohnehin viele Muttermale hat, kann die Prüfung des ganzen Körpers mit einem Hautkrebsscreening verbinden. Dabei dokumentiert ein KI-unterstütztes Total Body Mapping den Zustand Ihrer Haut und macht spätere Veränderungen leichter erkennbar. Der Genital- und Analbereich wird in unserer Praxis nicht untersucht. Sind Ihnen dort Muttermale aufgefallen, lassen Sie diese bitte zuerst in der gynäkologischen oder urologischen Praxis ansehen.
Muttermal entfernen: Ablauf und Nachsorge
Wenn ein Muttermal entfernt werden soll, geschieht das als kleiner Eingriff in örtlicher Betäubung. Der Einstich der Betäubung ist kurz zu spüren, danach ist die Stelle unempfindlich. Dr. Obuch ist Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Dermatochirurgie und Lasertherapie. Sie schneidet das Muttermal mit einem schmalen Saum gesunder Haut aus, damit das Gewebe vollständig vorliegt. Die Wunde wird anschließend vernäht und mit einem Pflaster oder Verband versorgt. Je nach Lage wird die Naht so gesetzt, dass die spätere Narbe möglichst wenig auffällt.
Warum wird ein verdächtiges Muttermal herausgeschnitten und nicht abgetragen, vereist oder gelasert? Weil für die Untersuchung unter dem Mikroskop das gesamte Gewebe in seinem Aufbau erhalten sein muss. Nur dann kann die Pathologie feststellen, ob eine Veränderung gutartig ist und ob sie vollständig entfernt wurde. Der Diodenlaser kommt bei einzelnen gutartigen Hautveränderungen wie Fibromen infrage, aber nur nach vorheriger Beurteilung. Ein Muttermal, das nicht eindeutig gutartig aussieht, wird operiert.
Zur Nachsorge erhalten Sie genaue Hinweise. Im Allgemeinen halten Sie die Wunde sauber und trocken, verzichten in den ersten Tagen auf Sauna, Schwimmbad und Vollbad und schonen die Region, besonders an Stellen unter Spannung wie Rücken oder Gelenken. Die Fäden werden je nach Körperregion nach etwa einer bis zwei Wochen entfernt. Jeder Schnitt hinterlässt eine Narbe. Wie sie aussieht, hängt von Lage, Hauttyp und Spannung der Haut ab und lässt sich nicht vorhersagen. Später sollte die Narbe vor Sonne geschützt werden. Melden Sie sich bitte, wenn die Wunde zunehmend rot und geschwollen ist, eitert oder Sie Fieber bekommen.
Histologie: Was nach der Entfernung passiert
Das entnommene Gewebe wird in ein pathologisches Labor geschickt. Dort wird es in sehr dünne Schnitte zerlegt, angefärbt und unter dem Mikroskop beurteilt. Dieses Vorgehen nennt man Histologie oder feingewebliche Untersuchung. Sie ist der entscheidende Schritt, denn erst sie zeigt verlässlich, ob ein Muttermal gutartig ist, ob es atypische Zellen enthält oder ob es sich um eine bösartige Veränderung handelt. Außerdem wird beurteilt, ob das Gewebe an den Rändern vollständig entfernt wurde.
Der Befund liegt in der Regel nach einigen Tagen bis etwa zwei Wochen vor. Wir informieren Sie und besprechen das Ergebnis mit Ihnen. In den meisten Fällen bestätigt sich, dass das Muttermal gutartig war und keine weitere Behandlung nötig ist. Ein atypischer, auch dysplastisch genannter Nävus ist ein Muttermal mit auffälligem Aufbau, das aber noch gutartig ist. Er gilt als Hinweis auf ein erhöhtes Risiko, sodass häufig engere Kontrollen empfohlen werden. Zeigt der Befund atypische Zellen, kann außerdem eine kleine Nachentfernung sinnvoll sein. Handelt es sich um eine bösartige Veränderung, richtet sich das weitere Vorgehen nach den ärztlichen Leitlinien, zum Beispiel nach einer Nachentfernung mit größerem Sicherheitsabstand und nach der Dicke des Tumors. Wir besprechen jeden Schritt ausführlich mit Ihnen, auch dazu, welche weiteren Fachärztinnen oder Fachärzte einbezogen werden sollten.
Wenn ein Muttermal aus kosmetischen Gründen stört, kann es nach vorheriger Beurteilung ebenfalls entfernt werden. Auch dann wird das Gewebe untersucht. Medizinisch notwendige Entfernungen sind in Kassenpraxen eine Kassenleistung. In unserer Privatpraxis bezahlen gesetzlich Versicherte als Selbstzahler, die Kosten besprechen wir mit Ihnen vor dem Eingriff.
So schützen Sie Ihre Haut im Alltag
Ultraviolette Strahlung gehört zu den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Hautveränderungen. Meiden Sie die pralle Sonne in den Mittagsstunden, tragen Sie Kleidung, Hut und Sonnenbrille und verwenden Sie ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor. Tragen Sie es großzügig auf, bevor Sie nach draußen gehen, und erneuern Sie es nach dem Baden. Verzichten Sie auf das Solarium. Besonders wichtig ist der Schutz von Kindern, denn Sonnenbrände in der Kindheit zählen zu den bekannten Risikofaktoren. Ein Sonnenschutzmittel ersetzt aber nicht die Beschattung und ist kein Freibrief für lange Sonnenbäder.
Termin vereinbaren
Wenn Sie ein Muttermal beschäftigt, müssen Sie nicht erst auf Gewissheit warten. Ein Termin bei uns bedeutet zunächst nur, dass Sie die Stelle fachärztlich ansehen lassen und Ihre Fragen klären können. Sie finden uns am Großen Burstah 44 in der Hamburger Innenstadt, gut erreichbar mit der U3 über Rathaus und Rödingsmarkt. Einen Termin können Sie online über Doctolib buchen oder telefonisch unter 040 307 469 92 vereinbaren. Weitere Informationen zur Hautkrebsvorsorge und zur ärztlichen Betreuung finden Sie auf der Seite Dermatologie, Wege und Kontaktmöglichkeiten unter Kontakt.
Weiterführende Informationen: Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: Hautkrebs, Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG)